Bundesliga gegen 2. Liga: Hochkarätiger Pokalhandball in Rimpar

Ein neuer Modus in der Ausspielung des Deutschen Handballpokals macht es möglich. An zwei Tagen treten bundesweit in 16 Hallen jeweils vier Mannschaften aus drei Ligen an und ringen um den Turniersieg, denn nur dieser berechtigt zum Einzug in das Achtelfinale. Damit es nicht gleich in der ersten Runde zu einem Zusammentreffen der leistungsstärksten Teams kommt, hatte man 3 Lostöpfe festgelegt, in die einzelnen Ligen eingeordnet wurden. Ein vierter Lostopf wurde gemischt belegt, so dass sichergestellt wurde, dass in jedem Turnier ein Erstligist, ein Zweitligist und ein Drittligist, sowie ein weiterer Repräsentant einer der drei Ligen aufeinandertreffen.

Dem entsprechend wurden in den Lostopf 1 die Mannschaften, die die Plätze 1-16 in der Ersten Liga belegt hatten, eingeordnet, in Lostopf 2 die Plätze 1-16 der Zweiten Liga. Für den Topf 3 waren die Plätze 17 und 18 der Ersten Liga, die Plätze 17-20 der Zweiten Liga, die jeweils ersten beiden Plätze der vier Dritten Ligen und die beiden Endspielteilnehmer des deutschen Amateurpokals festgelegt. Schließlich wurde der vierte Topf mit jeweils den Plätzen 3-6 der vier Dritten Ligen bestückt. Da die Mannschaften des Lostopfes 2 grundsätzlich Heimrecht haben, war von Anfang an klar, dass eines dieser 16 Turniere in Rimpar stattfinden würde. Man entschied sich für die Dreifachsporthalle, denn es wird vielleicht ein letztes Mal in dieser Saison sein, dass Bundesligisten in der „Hölle Nord“ ihren Auftritt haben, da zukünftig die Zweitligaspiele der Wölfe in der s´Oliver Arena in Würzburg ausgetragen werden.
Mit dem fünften der Abschlusstabelle der Ersten Liga, dem FRISCH AUF! Göppingen, dem letztjährigen Schlusslicht des Oberhauses und Absteiger die Zweite Liga, der SG BBM Bietigheim und dem Tabellendritten der 3. Liga Süd, dem TV Hochdorf, wurde den Wölfen ein schweres Paket zugelost, zumal vorgesehen war, dass die Mannschaften aus dem Topf 2 im Turnierhalbfinale aufgrund ihres Heimrechts gegen einen Erstligisten aus dem ersten Lostopf antreten.
Eigentlich ist es ja ein Wiedersehen mit FRISCH AUF! Göppingen, denn erst im Januar hatten sich die Wölfe in einem Benefizspiel mit der Truppe des schwedischen Trainers Magnus Anderssen messen können. 27:32 unterlag man in einer Auseinandersetzung, die die Unterfranken lange auf Augenhöhe hatten gestalten können. Doch während der Erstligist damals auf seine Nationalspieler wegen der WM in Katar verzichten musste, dürfte er diesmal alles an Bord haben, was Rang und Namen hat. Damit wird die Erfahrung von nahezu 600 Länderspielen in die Waagschale geworfen, nicht zuletzt, weil mit Michael Kraus und Neuzugang Lars Kaufmann zwei Schwergewichte des deutschen Handballs mit von der Partie sein werden. Überhaupt hat man sich wohl in Göppingen einiges für die nächste Saison vorgenommen, denn auch der Zugang der beiden schwedischen Nationalspieler Nicolas Barud und Andreas Berg mit insgesamt 50 Länderspielen bedeutet sicher eine qualitative Verbesserung des Teams.
Dem haben die Wölfe statistisch wenig entgegenzusetzen. Da aber mit Statistiken keine Spiele gewonnen werden, wird sie das wenig anfechten, so wie schon beim f.a.n.-cup in Kleinostheim, als man dem nominell klar favorisierten Erstligisten MT Melsungen durchaus Paroli bieten konnte. Vielleicht sind es gerade diese Konstellationen, die den Reiz solcher Turniere ausmachen.
Das werden sich auch die Hochdorfer denken, die im zweiten Halbfinalspiel des Turniers gegen den Erstligaabsteiger Bietigheim sicher in der Außenseiterposition sind. Aber die Pfalzbiber stellen eine sehr ausgeglichene Truppe, die Favoriten durchaus auch mal ein Bein stellen können. Das musste auch der Meister der 3. Liga Süd, Leutershausen, erfahren, der eine seiner wenigen Niederlagen in Hochdorf hinnehmen musste. Dagegen muss sich die SG BBM Bietigheim erst einmal von seinem Erstligaabenteuer erholen, denn mit gerade einmal 6 Siegen und einem Unentschieden kann man dort natürlich nicht bestehen. Doch dass auch die Mannen um Trainer Hartmut Mayerhoffer sich als Favoritenbremse eignen, hat in der zurückliegenden Saison ausgerechnet FRISCH AUF! Göppingen erfahren müssen, als man in Bietigheim mit 25:29 das Nachsehen hatte.
So wird deutlich, dass man auch im Handballsport nicht vor Überraschungen gefeit ist, und das gilt ganz sicher für Pokalspiele, die bekanntlich ihre eigenen Gesetze haben sollen. Mag für viele die Statistik im Hinblick auf das Ergebnis dieses Pokalwochenendes in Rimpar eine eindeutige Sprache sprechen, entschieden wird der Turniersieg in der Halle. Und da haben Spiele in der emotionsgeladenen „Hölle Nord“ ganz sicher ihre ganz eigenen Gesetze.