Deutsche Titelkämpfe im E-Darts in Geiselwind an Spannung kaum zu überbieten

Deutsche Meisterschaft: Die Meister der Meister

Die 33. Deutschen Meisterschaften auf dem Autohof Strohofer in Geiselwind haben gestern um 23:08 Uhr ihr Ende gefunden. Nach vier langen Tagen Darts stehen die neuen Deutschen Meister*innen der 21 Disziplinen plus den zwei Winnern im Masters of Masters fest. Sportlich überraschte die DM einmal mehr in vielerlei Hinsicht – aber gerade das zeichnet sie aus. Langeweile ist woanders.

Nico Kurz gewinnt 128er Feld

Die Wutprobe für Nico Kurz (Nidderau) stand gleich nach dem verlorenen Masters-Finale im 128er Feld 501 D.O. an. Wie beim MoM hatte er es in diesem Wettbewerb ebenfalls ins Finale geschafft, dabei erstmalig Dragutin Horvat (Kassel), den Titelverteidiger, „auf der Gewinnerseite knacken können“, wie er selbst betonte. Dragutin Horvat, aufgrund seiner Samba-Figur weltweit als weißer Brasilianer bekannt, war das Finale in diesem Jahr jedoch versagt, weil er beim Spiel ums Endspiel auf der Verliererseite an Oliver Anlitz (Burkardroth) mit 1:3 scheiterte.

Der finale Höhepunkt entwickelte sich zu einem wahren Krimi. Oliver Anlitz ging dreimal in Führung, Nico Kurz glich dreimal aus und entschied das letzte Leg zu seinen Gunsten, nachdem Oliver Anlitz zwei Matchdarts versiebt hatte.

Oliver Anlitz spielte 17, 11 und 20 Darts, Nico Kurz 20, 18, 18 und 21. Oliver Anlitz scorte einmal 180 sowie fünfmal zwischen 100 und 140, Nico Kurz zwölf Mal in diesem Bereich.

So konnte sich Nico Kurz mit seinem zweiten Sieg in dieser Disziplin auszeichnen – 2015 war er das erste Mal erfolgreich gewesen. Bisher haben mit Alexander Köhler (Würzburg) und dem bereits verstorbenen Dieter Jooß (Geislingen) nur noch zwei weitere Spieler das 128er Feld zweimal für sich entscheiden können.

Dragutin Horvat, der als Einziger drei Titelgewinne gesammelt hat, erhöhte die Anzahl seiner Podiumsplätze auf insgesamt fünf und ist der erfolgreichste Spieler in der Geschichte des 128er Feldes. „Natürlich hätte ich selbst gerne gewonnen, aber der dritte Platz ist alles andere als enttäuschend.“ Gleiches gilt für Oliver Anlitz, der erstmalig auf dem Podest in dieser Disziplin stand.

Silvia Dolores Keller verteidigt ihren Titel

Im 64er Feld der Damen 501 D.O. erreichte als erste Janine Wagener (Hellenbahn-Schellenberg) das Endspiel, sie hatte unter anderem die Titelverteidigerin und Europameisterin Silvia Dolores Keller 3:0 besiegt.

Im Endspiel trafen die beiden wieder aufeinander, nachdem Silva Dolores Keller mit 3:0 Silke Klingler (Wuppertal) auf Rang drei verfrachtet hatte. Der dritte Platz für Silke Klingler ist wenig frustrierend.

Das Endspiel gewann Silvia Dolores mit 4:2. Ihr bestes Leg hatte sie mit 18 Darts beendet und fünfmal dreistellig gescort. Das kürzeste Leg hatte Janine Wagener nach 17 Darts beendet, auch sie scorte fünfmal dreistellig und hatte im sechsten Leg nach 133 und 121 mit 18 Darts die Chance, das siebte Leg zu erzwingen, doch dieses Leg schnappte sich schlussendlich noch und doch Silvia Dolores Keller, die damit ihren Titel verteidigen konnte.

Die Siegerin: „Ich bin derzeit nicht in Bestform, umso mehr freue ich mich über das Ergebnis!“ Die neue Vizemeisterin urteilte etwas bildhafter: „Ich hab’s wieder ‚mal verkackt!“

Major Award-Winnerin Marene Westermann

Nachdem sich Michaela Mc Clain (Bad Kreuznach) gegen Ramona Berger (Wenden-Gerlingen), Carmen Wolf (Königswinter) und Sandra Kaup aus Büren mit 5:1 durchgesetzt hatte, stand sie im Finale des Major Awards Damen 301 M.O. und traf dort auf Marene Westermann (Reken), die sich gegen Silvia Dolores Keller 3:1,  Melanie Heimberger (Lahr) 4:0 und Sarah Brübach (Weißenthurm) mit 5:1 behauptet und sich in wahrlich guter Form und mit viel Biss präsentiert hatte.

Dieses Niveau vermochte sie final nicht ganz zu halten, aber sie demonstrierte Dominanz. Lediglich das erste Leg konnte die angeschlagene Michaela Mc Clain für sich verbuchen, alle anderen gewann Marene Westermann und siegte 6:1. Die Freude darüber wollte aus ihrem Gesicht nicht mehr weichen. „Ich bin richtig zufrieden mit mir!“

Ein neuer Meilenstein in ihrer von vielen, vielen Titeln dekorierten Karriere. Das zeichnet Marene Westermann eben immer noch aus: Wenn es drauf ankommt, ist mit ihr zu rechnen! Ein Erfolgscocktail aus Können, Erfahrungen, Motivation und Willenskraft. Außerdem ist sie nun Besitzerin eines nagelneuen Ford Fiesta Trend, ein neuer Meilenstein in der Kategorie Trophy in der Geschichte des DSAB.

Stefan Stoyke fährt im Ford fort

Stefan Stoyke (Weißenthurm) erreichte das Finale im Major Award Herren Masters 501 D.O. nach Erfolgen über Kevin Luhr (Ochtendung) mit 3:2, Michael Kolter (Mainz-Finthen) 4:3 und Sascha Stein (Birkenau) 5:2, während Christian Soethe (Lünen) die Hürden Patrick Plötz (Bergheim) mit 3:1, Danijel Lukic (Röslau) mit 4:1 und Patrick Nunez y Amor (Neuwied) mit 5:0 geschmeidig nahm.

Das erste Leg im Endspiel gehörte Stefan Stoyke, das zweite indes Christian Soethe, der mit 17 Darts ausgleichen konnte. Die nächsten vier Legs holte sodann Stefan Stoyke ein, bevor Christian Soethe ein weiteres Leg für sich entscheiden konnte.

Doch das 2:5 war nicht mehr als etwas Kosmetik, denn im achten Durchgang machte Stefan Stoyke den 6:2 Sieg mit seinem siebten Matchdarts perfekt, Christian Soethe verhaute auf der anderen Seite sechs Legdarts. Stefan Stoyke scorte sechzehn Mal dreistellig, darunter ein 180er, Christian Soethe warf genau sooft dreistellig. Seine besten Legs schloss Christian Soethe mit 16 und 17 Darts ab, Stefan Stoyke dagegen mit 17 und 18.

Der Sieger: „Natürlich bin ich stolz, gewonnen zu haben. Der Preis ist ein ganz außergewöhnlicher und zählt auch zu den bedeutendsten, den ich bisher gewinnen konnte!“

„Major“ Angelo Deutsch

Im Mayor Award Herren-Amateure 301 M.O. ging Sam Großmann (Görlitz) seinen Weg und ebnete diesen ins Finale mit Siegen über Manuel Wengler (Lebach) mit 3:2, Marc Ossenkopp (Illingen) mit 4:2 und Tobias Wenzl (Linden) mit 5:2. Auch der Marburger Angelo Deutsch hatte sich auf den Weg gemacht, ins Finale vorzustoßen, und eliminierte dabei Eric Zimmermann (Heidesheim) mit 3:2, Christoph Reichert (Neunkirchen) mit 4:0 und Hüseyin Karakog (Meschede) mit 5:0.

Im finalen Aufeinandertreffen von Angelo Deutsch und Sam Großmann lag der Letztgenannte zunächst 0:2 zurück, vermochte allerdings diesen Rückstand in eine 4:3 Führung umzuwandeln. Sein Widersacher verpasste im achten Leg ein 161er Finish, aber nicht das 4:4. Mit 17 Darts erhöhte Angelo Deutsch auf 5:4 und mit einem 100er Finish schloss er den Wettbewerb glorreich mit einem 6:4 Sieg ab.

Sam Großmann: „Ich bin ins Finale gekommen, darauf darf ich stolz sein. Enttäuscht darüber, nicht gewonnen zu haben, bin ich nicht. Ich weiß auch, dass ich meiner Frau zu danken habe, die mich in allem unterstützt!“
Angelo Deutsch strich heraus: „Dies ist ein ganz besonderer Moment in meiner Laufbahn als Darts-Spieler!“