Kickers-Ehrenpräsident Dr. Michael Schlagbauer im großen Interview

FWK-Ehrenpräsident Dr. Michael Schlagbauer über die Bedeutung des Breitensports: „Wir wollen ein noch größerer Bestandteil der Würzburger Stadtgesellschaft werden!“

Im Rahmen einer Sponsorenveranstaltung hat der FC Würzburger Kickers im Sommer sein Projekt „Z25“ vorgestellt, in dem er seine Ziele und Visionen für die kommenden sechs Jahre präsentiert hat. Die Formulierung von klaren Plänen in den verschiedenen Säulen, auf denen die Kickers künftig stehen werden, soll den Partnern alle Voraussetzungen für ein langfristiges Engagement gewähren und allen Personen im Verein als Leitplanken für Entscheidungen dienen. Einer der fünf Kernpunkte ist der Breitensport. FWK-Ehrenpräsident Dr. Michael Schlagbauer erklärt im FWK-Monatsmagazin „NEUNZEHNNULLSIEBEN“, welche Bedeutung der Breitensport bei den Kickers hat, wie die Ziele lauten und was auf diesem Weg die größten Herausforderungen sind.

Ehrenpräsident Dr. Michael Schlagbauer über …

 … das Besondere am Breitensport:

Im Breitensport geht es darum, die Leidenschaft, die man für seine Stadt und seinen Verein ausübt, zusammenzubringen. Jungs und Mädels sollen von Kindesbeinen an die Würzburger Kickers herangeführt und an den Verein gebunden werden.  Das ist die Basis für die Unterstützung der Kickers in den nächsten 100 Jahren. Es gibt viele Rothosen, die beim FWK – in welcher Form auch immer – aktiv waren und den Verein und die Stadt jetzt als Fan nach außen repräsentieren. Es ist bekannt, dass viele Profivereine keinen Breitensport mehr anbieten. Bei uns ist es dagegen wie zum Beispiel auch beim FC St. Pauli möglich. Wir wollen damit unserer sozial-gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden und Jugendlichen Perspektiven und Möglichkeiten bieten, sich als Teil einer Gemeinschaft zu fühlen und sich persönlich zu entwickeln. Die Vorzüge des Mannschaftssports sind ohnehin bekannt.

… die Wichtigkeit des Breitensports für den FWK:

Die Kickers haben eine lange Geschichte, in der es von Beginn an nicht nur um Fußball ging. Es wurden in verschiedenen Abteilungen sensationelle Erfolge gefeiert – wie zum Beispiel die fünf Deutschen Meisterschaften der Hockey-Damen in der 1940er- und 1950er-Jahren oder die Teilnahme des Degenfechters Dieter Jung an den olympischen Spielen in Mexiko. Sportarten wie Boxen, Tischtennis & Co. sind ein wesentlicher Bestandteil des FWK und werden dies auch bleiben. Auf den Fußball bezogen wollen wir nicht nur die Anlaufadresse von Spielern sein, die nicht den Sprung oder die Qualität für die NLZ-Mannschaften haben. Sondern auch für die Spieler eine sportliche Heimat sein, die im Laufe der Zeit nicht mehr den Sprung in die jeweiligen NLZ-Teams schaffen. Diese müssen uns nicht verlassen – als echte Rothosen sollen sie auch hier bleiben.

… die Entwicklung des Breitensports in den vergangenen Jahren:

Sehr positiv. Der Breitensport steht und fällt mit dem Engagement und der Leidenschaft aller Personen im Verein. Die vielen ehrenamtlichen Helfer haben uns schon immer ausgezeichnet, ohne sie wäre die Entwicklung, die der Verein in den vergangenen Jahren in allen Bereichen genommen hat, nicht einmal im Ansatz möglich gewesen. Das Herzblut, mit dem Rothosen sich einbringen, hat sich durch die Professionalisierung nicht verändert. Man sieht, wie Eltern, Betreuer und Spieler der Breitensport-Teams gemeinsam mit anpacken und sowohl bei Heimspielen und Auswärtsspielen der Profis die Mannschaft unterstützen. So kann man, auch wenn es der eine oder andere Sport-Redakteur nicht so sieht, von einer echten großen Kickers-Familie mit einer herzlichen Verbindung sprechen. Diese Einstellung müssen wir uns bewahren, denn ohne großen Einsatz aller Beteiligten kann sich kein Sportverein über Wasser halten.

… die Ziele des FWK im Breitensport:

Natürlich wollen wir, dass die Kickers-Familie weiter wächst, vor allem auch, was die Mitgliederzahl betrifft. Wir wollen im kommenden Jahr die 1907-Mitglieder-Marke erreichen und weiter dynamisch wachsen, um ein noch größerer Bestandteil der Würzburger Stadtgesellschaft zu werden. Auch die Anzahl der aktiven Sportler soll in diesem Zuge steigen. Hierfür gilt es, das Angebot von Spiel- und Trainingsstätten auszubauen. Neben dem sportlichen Angebot sind auch begleitende Maßnahmen wie Ernährungsberatung, Hausaufgaben-Hilfen, das Bildungsangebot und die Migrations-Unterstützung Themen, die uns am Herzen liegen. Darüber hinaus ist es angedacht, den Frauen- und Mädchenfußball in der Region mit gezielten Maßnahmen zu unterstützen. Der Gedanke liegt nahe, da mit FLYERALARM ein Würzburger Unternehmen den Frauen-Fußball fördert und seit dieser Saison Namenspatron der Frauen-Bundesliga ist.

… die Herausforderungen des Breitensports:

Abseits der Leistungsmannschaften wollen wir mit einem breitgefächerten Angebot – auch über den Fußball hinaus, beispielsweise durch Ausbau und Förderung von Abteilungen wie Tischtennis oder Boxen – zu der Sport-Adresse in Würzburg und der gesamten Region werden. Damit dies möglich ist, benötigen wir noch deutlich mehr Trainingsmöglichkeiten und Standorte. Hier ist auch die Politik gefordert, keine unnötigen bürokratischen Hürden aufzubauen. Zudem sind Sponsoren gefragt, die sich im Bereich Jugend und Soziales engagieren und positionieren möchten. Wir können hier gemeinsam mit der großen Anziehungskraft der Kickers Zeichen setzen.

… das Vorhaben bei den „Leighton Barracks“?

Der KRE Sportpark Sieboldshöhe ist eine tolle Anlage und längst zu einem Heimathafen für unsere Spieler und Trainer geworden. Die Zusammenarbeit mit den ehemaligen POSTlern ist von einem hohen gegenseitigen Vertrauen geprägt. Wenn man sich jedoch vorstellt, dass dort für 19 Jugendmannschaften sowie für die 2. und 3. Mannschaft insgesamt nur vier Plätze zur Verfügung stehen, erkennt man schnell, dass die Kapazitäten hier erschöpft sind. Deshalb sollen auf den „Leighton Barracks“ zwei Plätze ausschließlich für die Breitensportteams entstehen. Zudem sollen dort Räumlichkeiten für diverse andere Angebote geschaffen werden. Auch hierfür benötigen wir Unterstützung von allen Seiten.