Stolperstein Verlegung zur Erinnerung an Opfer des NS-Regimes

In Würzburg wurden am Freitag, 19. März 2021, weitere 41 Stolpersteine verlegt. Sie erinnern an jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, die 1941 und 1942 aus dem jüdischen Altenheim und Krankenhaus an der heutigen Ecke Dürerstraße/Konradstraße von den Nazis verschleppt und in deren Lagern ermordet wurden.

Schülerinnen erinnern an Opfer der Nazi Gräuel

Gestaltet wurde die Feierstunde vom Arbeitskreis Stolpersteine und Schülerinnen der Maria Ward Schule. Die Schülerinnen der Klasse 10b verlasen alle Namen der Opfer, die zusätzlich auch auf Schildern zu lesen waren, die von Schülerinnen während der Feierstunde gehalten wurden. Dazu wurden weitere Informationen, Kurzbiographien und Briefe verlesen.

geistigen Brandstiftern die rote Karte zeigen

Würzburgs 3. Bürgermeisterin Judith Jörg sagte, es dürfe in unserem Land nie wieder zu einer Herrschaft des Unrechts und der damit verbundenen Verbrechen kommen. „Wir sind alle deshalb aufgerufen, den geistigen Brandstiftern die rote Karte zu zeigen und niemand darf schweigend und tatenlos zusehen, wenn heute Juden und andere Minderheiten diskriminiert, ausgegrenzt, verächtlich gemacht oder angegriffen werden“, so Judith Jörg.

gedankliches Stolpern setzt Denkprozesse in Gang

An der Feierstunde nahm auch der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland teil, der in Würzburg lebende Dr. Josef Schuster. Er hält das Kunstprojekt der Stolpersteine für ausgesprochen wichtig, da Stolpersteine zu einem gedanklichen stolpern führen, das bei gar nicht so wenigen Denkprozesse in Gang setze. „Insoweit ist es eine Möglichkeit (…) Erinnerung wach zu halten und – und das ist für mich ganz wichtig – Menschen, die deportiert wurden, Nachbarn, die verschwanden, plötzlich, wieder einen Namen und damit ihre Würde zurückzugeben.“ Er bedankte sich bei den Beteiligten ausdrücklich für das Engagement.

Gedenken im Vorbeigehen – der AK Stolpersteine

Der AK Stolpersteine Würzburg initiiert seit 2005 die Verlegung von Stolpersteinen vor den letzten frei gewählten Wohnungen der deportierten Würzburger Mitbürgerinnen und Mitbürger. Die Stolpersteine sind ein Kunstprojekt des Künstlers Gunter Demnig. Darauf sind der Name, das Geburts- und Sterbedatum vermerkt. Die ehemalige Stadträtin Benita Stolz brachte die Idee mit nach Würzburg. Im Lauf der Jahre wurden in Würzburg – gemessen an der Zahl der Einwohner – so viele Stolpersteine wie nirgendwo sonst in Deutschland verlegt. Der Arbeitskreis hat auch den Denkort Deportationen installiert, der sich am Würzburger Hauptbahnhof befindet.

Eine Aufzeichnung der kompletten Feierstunde sendet TV Mainfranken am Samstag, 20.03.2020 um 11, 14 und 19 Uhr und am Sonntag, 21.03.2020 um 14 Uhr. Auch gleich hier in der Mediathek abrufbar