Lieferkettengesetz – mainfränkische Wirtschaft übernimmt Verantwortung

Nach jahrelangem Ringen: Einigung beim Lieferkettengesetz

In der Jeans, im Handy, in der Schokolade, im Kaffee, im Auto – in vielen industriell hergestellten Produkten sind Rohstoffe aus aller Welt verarbeitet. Bis diese Teil eines Endproduktes im Laden sind, haben sie oft eine globale Lieferkette hinter sich, die oft auch durch die ärmeren Länder der Erde führt. Damit entlang dieser Lieferkette keine Menschen benachteiligt oder ausgebeutet werden, hat die Regierungskoalition das Lieferkettengesetz auf den Weg gebracht.  Dazu der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Würzburg-Schweinfurt Dr. Sascha Genders: „Unsere Unternehmen sehen das Lieferkettengesetz tatsächlich ambivalent. Einerseits ein klares Commitment für Verantwortung in der Wirtschaft. Andererseits, gerade in die Gesetzeinführung, eher kritisch: Es ist wieder ein Mehr an Bürokratie für die Unternehmen hier in der Region und darüber hinaus. Das wird natürlich kritisch gesehen.“

Verpflichtung zur Achtung von Menschenrechtsstandards

Das Lieferkettengesetz verpflichtet international tätige Großunternehmen, auf die Menschenrechtsstandards ihrer Zulieferbetriebe im Ausland zu achten. Es soll ab 2023 für Unternehmen mit mindestens 3000 Mitarbeitern, ab 2024 für Unternehmen mit mindestens 1000 Mitarbeitern in Kraft treten. In Mainfranken werden dann ca. 50 Unternehmen davon betroffen sein. Allerdings geben diese die Anforderungen an kleinere Geschäftspartner weiter. Ein Kaskadeneffekt, so Genders.

Weltweit einzigartiges Gesetz – gefährlich für Exportwirtschaft?

Das geplante Lieferkettengesetz ist in dieser ambitionierten Form einzigartig in Europa und darüber hinaus. Es soll Menschenrechte schützen und die Ausbeutung in Entwicklungsländern verringern. Dieser nationale Alleingang wirft für Dr. Sascha Genders die Frage auf, „inwieweit eine nationale Gesetzgebung vielleicht die exportorientierte Wirtschaft schädigen kann.“

s.Oliver Group begrüßt das geplante Lieferkettengesetz

Oliver Hein, Chief Operating Officer der s.Oliver Group mit Hauptsitz in Rottendorf (Lkr. Würzburg) ist verantwortlich für Beschaffung und Lieferkette des Textilunternehmens. Er sieht dem Gesetz gelassen entgegen. Man arbeite bereits an Themen wie Sozialstandards und lasse bezüglich der rechtlichen Anforderungen der Produktionsländer keine Lücken offen. Das neue Lieferkettengesetz begrüßt er: „Damit bekommen wir nochmal eine gesetzliche Regelung und auch einen Standard, der für alle gilt. Und wir wollen natürlich, dass alle Teilnehmer die an diesen Produktionsketten beteiligt sind, sich einem einheitlichen Standard stellen“, so Hein.

Initiative Eine Welt e.V.:  Bundestag sollte Gesetz noch nachbessern

Für einen fairen globalen Handel steht die Initiative Eine Welt e.V. in Würzburg. Er macht Bildungsangebote zu diesem Thema und ist der Träger des 1977 gegründeten Weltladens in Würzburg.  Über die Einigung zum Lieferkettengesetz, das noch vor der Bundestagswahl im Herbst beschlossen werden soll, freut sich Lea Pfeifer, die in der Initiative Eine Welt e.V.  für die Bildungsangebote zuständig ist. Aber: „Es gibt ein paar Punkte, in denen der Bundestag noch nachbessern sollte, z. B. die zivilrechtliche Haftung oder auch die Unternehmensgröße für die das Gesetz gelten soll.“