Der Talk: Wo steht Unterfrankens Landwirtschaft nach dem Corona-Jahr?

Zum Studiogespräch begrüßt Moderator Christoph Schneider zwei Gäste vom Bayerischen Bauernverband (BBV): den unterfränkischen Bezirkspräsident Stefan Köhler und die stellvertretende unterfränkische Bezirksbäuerin Anette vom Berg-Erbar. Aus Rücksicht auf die Corona-Kontaktbeschränkungen wurden die Gäste per Video-Konferenz befragt.

Zwischen Weltmarkt und der Region: Unterfrankens Bauern

Stefan Köhler, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes in Unterfranken, sieht im schwierigen Corona-Jahr drei große Probleme für die Landwirtschaftlichen Betriebe: 1. Zu niedrige Preise für die Erzeugnisse, und das nicht erst seit dem Corona-Lockdown, in dem Absatzmengen z. B. in der Gastronomie nicht verarbeitet werden konnten. 2. Die Schlacht- und Zerlegebetriebe, die zeitweise nicht arbeiten konnten. 3. Die Afrikanische Schweinepest, die den Export deutschen Schweinefleisches zum Erliegen gebracht hat.

Er fordert staatliche Hilfen für die Bauernhöfe. Zugleich müssten aber auch faire Handelsbeziehungen geschaffen werden. Dazu brauche es eine Abkehr von möglichst billig produzierten Lebensmittelimporten, die unter den deutschen Standards liegen, hin zu regional und fair erzeugter Nahrung.

Düngeverordnung und Insektenschutzgesetz

Die Landwirtschaft muss sich an viele Auflagen und Gesetze halten. Im Bereich der Düngung der Felder gibt es in Unterfranken eine Sondersituation: Durch wenig Niederschläge erfolgt eine zu geringe Verdünnung der organischen oder mineralischen Düngemittel. So wird das Grundwasser belastet. An diesem Thema arbeite die Landwirtschaft zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt seit 30 Jahren, so Stefan Köhler. Man sei auf dem Weg, aber es gehe langsam, auch durch die zunehmende Trockenheit.  Ein Gesetz-Entwurf, der erst einmal verschoben wurde, ist das Insektenschutzgesetz. Eine Entwicklung, die der Bayerische Bauernverband begrüßt, denn das Gesetz bedeutet für unterfränkische Landwirte unter anderem, dass sie weniger Pflanzenschutzmittel wie Herbizide und biodiversitätsschädigende Insektizide ausbringen dürfen. An dem Thema werde man dranbleiben, so Unterfrankens Präsident des Bayerischen Bauernverbandes.

Landfrauen als Alltags-Expertinnen – viel mehr als kochen und putzen

Auch das ist die Landwirtschaft: Landfrauen, die in den Alltagskompetenzen wie Nahrungszubereitung, Wohnungspflege, Wäschepflege, Gartenbau und Familienarbeit eine qualifizierte Ausbildung absolviert haben, bis hin zur Meisterin ihres Fachs. Im Bildungswerk des BBV werden nicht nur Weiterbildungen angeboten, sondern auch Kurse und Vorführungen für interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Corona-Lockdown weckt Interesse am häuslichen Umfeld

Die stellvertretende Unterfränkische Kreisbäuerin Anette vom Berg-Erbar hat beobachtet, dass sich die Familien im Corona-Lockdown wieder intensiver mit diesen Alltagskompetenzen auseinandergesetzt haben und auch die Umgebung wieder mehr entdeckt haben. Das habe auch das Interesse an regional erzeugten Lebensmitteln erhöht, was eine Chance für Direktvermarkter darstellt.

Schule fürs Leben

Die bayerischen Landfrauen haben jahrelang dafür gekämpft – seit diesem Jahr ist ihre „Schule fürs Leben“ fester Teil des bayerischen Lehrplanes. Dabei vermitteln speziell geschulte Bäuerinnen und Landwirte den Schülerinnen und Schülern direkt auf den Bauernhöfen Themen wie Nahrungsmittelerzeugung oder -zubereitung oder Umweltthemen. Die „Erlebnisbauernhöfe“ oder „Landfrauen machen Schule“ sind ähnliche Programme, die im Bildungswerk des Bayerischen Bauernverbandes schon länger angeboten werden.