s.Oliver Würzburg muss sich gegen Bayern München erst in der Schlussphase geschlagen geben 

GANZ NAH DRAN AN DER SENSATION  
Bis kurz vor Schluss hat s.Oliver Würzburg an der Sensation geschnuppert: Im Nachhol-Heimspiel des 10. Spieltags der easyCredit BBL verlangten die Unterfranken dem FC Bayern München mit Kampfgeist und aggressiver Verteidigung alles ab und konnten bis ins vierte Viertel eine Führung behaupten. Erst in der Schlussphase fand der Tabellenfünfte der EuroLeague hinten und vorne die nötigen Mittel zum Erfolg, so dass sich die Gastgeber am Ende knapp mit 70:74 (27:33) geschlagen geben mussten. 
 
„Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft, wir haben gut dagegen gehalten und einen guten Fight abgeliefert“, sagte Kapitän Felix Hoffmann hinterher. Bester Punktesammler im innerbayerischen Nord-Süd-Derby war Cameron Hunt, der am Ende auf 19 Zähler kam. Neuzugang Perry Jones kam in seinen ersten knapp 19 Minuten Spielzeit auf 5 Punkte, 5 Rebounds und 2 Steals.

Marco Pesic hatte wohl schon geahnt, was sein Team in der s.Oliver Arena erwarten würde: „Ich kann mich an kein entspanntes Spiel in Würzburg erinnern“, sagte der Geschäftsführer des FC Bayern München in einer VIP-Talkrunde für Sponsoren vor dem Derby. Die Spieler von s.Oliver Würzburg zeigten dann gleich vom Sprungball an, dass es auch dieses Mal kein entspanntes Spiel für die Münchner werden würde. Mit hoher Intensität und aggressiver Verteidigung sorgten sie dafür, dass die Münchner ihre körperliche Überlegenheit in Korbnähe nur selten ausspielen konnten und ihr Heil häufiger als gewohnt in Distanzwürfen suchen mussten.

Und weil die Münchner Schützen in der ersten Halbzeit überhaupt keinen Rhythmus fanden und von 17 Dreierversuchen nur einen einzigen trafen, entwickelte sich eine an Punkten arme Partie, in der bis zur 32. Minute fast immer die Gastgeber vorne lagen. Die erste Würzburger Führung erzielte Alex King in der dritten Minute durch einen Korbleger nach Offensivrebound und zwei Treffer von der Freiwurflinie. Komplettiert wurde ein früher 10:0-Lauf der Gastgeber durch zwei Drei-Punkte-Würfe – erst war es Nils Haßfurther, dann Alex King, der Münchens Headcoach Andrea Trinchieri mit seinem Dreier zum 12:4 in der fünften Minute zu einer Auszeit veranlasste.

Die Offensive der Gäste kam auch danach nicht wirklich in Schwung, so dass s.Oliver Würzburg nach dem ersten Viertel mit 17:11 vorne lag, obwohl die Unterfranken schon in dieser Phase des Spiels die eine oder andere Abschlussmöglichkeit ungenutzt ließen. Florian Koch erhöhte per Korbleger zu Beginn des zweiten Abschnitts auf 19:11, dann legten die Münchner an Intensität in der Verteidigung zu, gestatteten in den folgenden sechs Minuten nur vier Würzburger Punkte und drehten den Spielstand durch einen Korbleger von Nationalspieler Paul Zipser zu ihren Gunsten (23:24, 17. Minute).

Zwei Minuten später nahm Andrea Trinichieri die nächste Auszeit, nachdem die Gastgeber durch sechs Punkte in Folge das Momentum schnell wieder zurückerobert hatten. Die letzten vier Würzburger Zähler der ersten Halbzeit erzielte Center Jonas Weitzel jeweils nach Zuspiel von Cameron Hunt durch einen Korbleger und einen Dunk, während die Gäste von der Freiwurflinie dagegen hielten. Nach einem ausgeglichenen zweiten Viertel lag s.Oliver Würzburg auch beim Seitenwechsel noch mit sechs vorne (33:27).

WADE BALDWIN MACHT IM LETZTEN VIERTEL DEN UNTERSCHIED

Daran änderte sich auch in den ersten zehn Minuten nach der Pause nicht viel: Zwar trafen die Münchner jetzt besser von außen und konnten sich unter anderem durch Dreier von Vladimir Lucic und Wade Baldwin die Führung zurückerobern (36:37, 24. Minute), doch auch in dieser Phase hatte s.Oliver Würzburg wieder eine passende Antwort in petto: Julian Albus und Neuzugang Perry Jones versenkten ebenfalls ihre Würfe von jenseits der 6,75-Meter-Linie, und nach einem Korbeger und einem weiteren erfolgreichen Dreier von Cameron Hunt lagen die Hausherren wieder mit neun Zählern vorne (51:42, 28. Minute).

Die Gäste waren nach einem viertelübergreifenden 8:0-Lauf aber schnell wieder im Spiel (53:52, 31. Minute). Dann legten sie in der Verteidigung noch einmal zu und übernahmen im Angriff vor allem in Person von Wade Baldwin immer mehr die Kontrolle über die Partie. Der Münchner Topscorer (18 Punkte) zog in der 35. Minute zweimal hintereinander zum Korb und traf zum Zwischenstand von 58:67.

Aber auch nach der höchsten Bayernführung im gesamten Spielverlauf gaben die Unterfranken die Partie noch lange nicht verloren. Florian Koch läutete mit einem Dreier zum 61:67 die Crunchtime ein, in der sich s.Oliver Würzburg durch sieben Freiwurf-Treffer bei acht Versuchen und schließlich durch einen Dreier von Tyson Ward zum 70:72 wieder in Schlagdistanz brachte. Den Schlusspunkt auf den Bayern-Sieg setzte dann aber wieder Wade Baldwin, den die Würzburger Verteidigung beim Zug zum Korb 22 Sekunden vor Schluss nicht stoppen konnte.

STATISTIKEN UND STIMMEN ZUM SPIEL

S.OLIVER WÜRZBURG – FC BAYERN MÜNCHEN 70:74 (17:11, 16:16, 20:22, 17:25)

Für s.Oliver Würzburg spielten:
Cameron Hunt 19 Punkte/1 Dreier (3 Steals), Jonas Weitzel 11, Alex King 10/1, Florian Koch 6/1, Perry Jones 5/1, Tyson Ward 5/1 (6 Rebounds/5 Assists/2 Steals), Joshua Obiesie 4, Felix Hoffmann 4/1 (9 Rebounds), Nils Haßfurther 3/1, Julian Albus 3/1.

Top-Performer München:
Wade Baldwin 18/1 (6 Rebounds/6 Assists), Nick Weiler-Babb 15/2, Vladimir Lucic 12/1, JaJuan Johnson 9 (6 Rebounds/4Steals).

Key Stats:
Zweierquote: 
Würzburg 36 Prozent (15 von 42) – München 59 Prozent (19 von 32)
Freiwürfe: Würzburg 16 von 20 (80 Prozent) – München 21 von 26 (81 Prozent)
Fastbreak-Punkte: Würzburg 18 – München 11

Felix Hoffmann, s.Oliver Würzburg:
„Wir waren heute sehr nah dran. Leider gab es zwei oder drei Situationen, in denen wir nicht so clever verteidigt und offene Würfe abgegeben haben. Und vorne haben wir auch den einen oder anderen liegen lassen. Das ist natürlich extrem schade, denn wenn es gegen die Bayern schon mal so knapp ist, dann will man das Spiel natürlich auch gewinnen. Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft, wir haben gut dagegen gehalten und einen guten Fight abgeliefert. Auch beim Rebound haben wir gut gearbeitet. Jetzt haben wir am Samstag das nächste Heimspiel, und darauf müssen wir uns jetzt vorbereiten.“

Denis Wucherer, Headcoach s.Oliver Würzburg:
„Hübsch war es nicht, aber der Kampf war da. Um sich in einem Spiel gegen so einen starken Gegner eine Chance auf den Sieg zu geben, muss aber auch das Verhältnis von Assists und Ballverlusten und die Wurfquote besser sein. Natürlich ist das nicht einfach, wenn man gegen eine der besten Verteidigungen der Liga spielt. Wir sind bei insgesamt 36 Prozent Trefferquote. Man muss schon in Richtung 50 Prozent kommen, um das Ding auch zu gewinnen.“

Andrea Trinchieri, Headcoach FC Bayern München:
„Es war ein schwieriges Spiel für uns, weil Würzburg 35 Minuten lang gut gespielt hat und wir nicht voll da waren. Wir haben am Ende einen Weg gefunden, um das Spiel zu gewinnen. Es ist eine sehr schwierige Phase für uns. Wir spielen ein Spiel nach dem anderen und haben keine Zeit, darüber nachzudenken, sondern müssen uns sofort auf das nächste Spiel konzentrieren. Glückwunsch an Würzburg für den guten Kampf. Ich bin glücklich, dass wir dieses Spiel als Mannschaft gewonnen haben.“