s.Oliver Würzburg muss sich gegen Braunschweig nach Verlängerung geschlagen geben 

OVERTIME-THRILLER OHNE HAPPY END
Auch im dritten Anlauf hat es nicht mit dem ersten Heimsieg der Saison geklappt: In einem echten Sonntagabend-Krimi musste sich s.Oliver Würzburg den Basketball Löwen Braunschweig nach Verlängerung mit 89:93 (45:48, 77:77) geschlagen geben. Nach einer von der ersten bis zur letzten Sekunde interessanten und engen Partie hatten die Gäste in den letzten 86 Sekunden der Overtime die besseren Nerven und holten sich ihren ersten Auswärtssieg. Top-Scorer der Partie waren die drei Würzburger Tyson Ward (22 Punkte), Florian Koch (17) und Justin Sears (15), der trotz der Niederlage einen gelungenen Einstand nach fast zehnmonatiger Verletzungspause feierte. 
Der 26-jährige Center stand Denis Wucherers Startformation und führte sich mit sieben Punkten in den ersten acht Spielminuten gleich gut ein. Nach einem Sears-Treffer zum 14:16 und einem Vier-Punkte-Spiel von Florian Koch waren es dann aber Lukas Wank, Martin Peterka und Luc Van Slooten, die für die Gäste aus Niedersachsen dreimal von jenseits der 6,75-Meter-Linie trafen und so für einen Würzburger 21:25-Rückstand nach dem ersten Viertel sorgten.
Kurz nach Beginn des zweiten Abschnitts folgte gleich der nächste Löwen-Dreier durch Lukas Meisner, der beim Wurf gefoult wurde und den Vorsprung seines Teams mit dem fälligen Bonus-Freiwurf auf 23:29 ausbauen konnte – eine höhere Führung konnte sich im weiteren Spielverlauf keine der beiden Mannschaften herauswerfen.

MEHR INTENSITÄT IN DER VERTEIDIGUNG

Daher dauerte es auch nicht lange, bis die Gastgeber wieder ausgeglichen hatten: Tyson Ward traf in der 14. Minute seinen ersten Dreier des Spiels zum 33:33. Auch nach einem weiteren Meisner-Dreier zum 38:44 zwei Minuten vor dem Seitenwechsel war es der Würzburger „Rookie“, der postwendend mit dem nächsten Distanztreffer zum 41:44 antwortete. Derselbe Abstand stand mit 45:48 auch am Ende der ersten Halbzeit auf der Anzeigetafel der s.Oliver Arena.

Weil beide Teams nach dem Seitenwechsel an Intensität in der Verteidigung zulegen konnten, änderte sich auch in der zweiten Halbzeit nichts am spannenden Spielverlauf. Erst zog Braunschweig durch einen Dreier von James Robinson und einen Korbleger von Martin Peterka erneut auf sechs Punkte davon (49:55, 24. Minute), dann erzielten Justin Sears, Tyson Ward per Dreier und Florian Koch sieben Zähler in Serie und drehten den Spielstand zum ersten Mal seit der 2. Minute wieder zu Gunsten der Unterfranken (56:55, 26. Minute).

BRAUNSCHWEIG SICHER VON DER FREIWURFLINIE
Dass der Rheinländer im Würzburg-Trikot sein sicheres Händchen von der Dreierlinie wiedergefunden hat, bewies Koch im Anschluss zuerst mit einem Buzzerbeater am Ende des dritten Viertels und dann in der 32. Minute mit seinem vierten erfolgreichen Dreier der Partie zum 67:66. Micah Downs und Tayler Persons konnten nachlegen und mit 71:66 (35. Minute) zum ersten Mal im Spiel eine etwas deutlichere Würzburger Führung auf das Scoreboard schreiben.

Die Antwort der Gäste ließ aber erneut nicht lange auf sich warten: Lukas Wank traf den Dreier zum 71:71 und leitete damit in der 36. Minute die spannende Schlussphase der regulären Spielzeit ein. Zwar gelang den Gästen in den letzten vier Minuten des vierten Viertels kein erfolgreicher Wurf mehr aus dem Feld, dank ihrer guten Nerven an der Freiwurflinie mit sechs Treffern bei acht Versuchen blieben sie aber im Spiel.

Nachdem Tyson Ward 18,1 Sekunden vor Schluss einen von zwei Freiwürfen zum 77:77 traf, hatte Braunschweig in der Crunchtime sogar die Chance auf den Sieg, ein Sprungwurf von Bryon Allen ging aber nur an den Ring – Verlängerung!

SCHLECHTE ENTSCHEIDUNGEN IN DER OVERTIME

Auch in den fünf Extra-Minuten blieb es bis fast zum Schluss ein echter Thriller am Sonntagabend, s.Oliver Würzburg gelang es in der Overtime aber nicht mehr, in Führung zu gehen. Zwar konnten Micah Downs, Tayler Persons per Freiwurf nach einem technischen Foul gegen Bryon Allen und Justin Sears einen zwischenzeitlichen Fünf-Punkte-Rückstand noch einmal ausgleichen (86:86, 44. Minute), in den letzten 86 Sekunden der Verlängerung machten die Gäste aus Niedersachsen dann aber alles klar.
Erst versenkte James Robinson einen Dreier zum 86:89, dann traf Tyson Ward erneut einen von zwei Freiwürfen zum 87:89. Beim nächsten Braunschweiger Angriff schnappte sich Karim Jallow nach einem vergebenen Robinson-Korbleger den Offensiv-Rebound, wurde dabei von Florian Koch gefoult und versenkte 25 Sekunden vor Schluss beide Freiwürfe zum 87:91 und damit zur Entscheidung.

„Wir waren in der Overtime nicht bereit, da muss ich auch mich selbst einbeziehen“, sagte Koch hinterher selbstkritisch: „Wir haben schlechte Entscheidungen getroffen, dumme Fouls gemacht und waren nicht mehr so präsent wie über lange Phasen des Spiels vorher.“ Weiter geht es für s.Oliver Würzburg am kommenden Samstag mit einem Auswärtsspiel bei Aufsteiger NINERS Chemnitz, der noch auf seinen ersten Saisonsieg wartet.

STATISTIKEN UND STIMMEN ZUM SPIEL

S.OLIVER WÜRZBURG – BASKETBALL LÖWEN BRAUNSCHWEIG 89:93 n.V.

(21:25, 24:23, 19:17, 13:12, 12:16)

Für s.Oliver Würzburg spielten:
Tyson Ward 22 Punkte/4 Dreier, Florian Koch 17/4, Justin Sears 15, Joshua Obiesie 8/2, Felix Hoffmann 7/1 (11 Rebounds), Tayler Persons 7 (8 Assists), Cameron Hunt 6, Micah Downs 4, Zach Smith 3, Julian Albus.

Top-Performer Braunschweig:
Karim Jallow 14, James Robinson 14/2 (5 Assists), Lukas Meisner 14/3 (3 Steals), Gavin Schilling 12 (7 Rebounds).

Key Stats:
Ballverluste zweite Halbzeit: 
Würzburg 12 – Braunschweig 7
Freiwürfe: Würzburg 12 von 17 (71 Prozent) – Braunschweig 24 von 31 (77 Prozent)
Wurfquote 2er: Würzburg 52 Prozent (22 von 42) – Braunschweig 64 Prozent (18 von 28)

Florian Koch, s.Oliver Würzburg:
„Wir haben Braunschweig einen guten Kampf geliefert, und wir machen als Team sehr viele Schritte nach vorne. Wir kommunizieren auf dem Feld besser, und die Höhen und vor allem die Tiefen werden weniger. Heute hat es nicht gereicht, und das lag daran, dass wir in der Overtime nicht bereit waren. Da muss ich auch mich selbst mit einbeziehen. Wir haben schlechte Entscheidungen getroffen, dumme Fouls gemacht und waren nicht mehr so präsent wie über lange Phasen vorher. Es tut weh, weil der Sieg heute drin war und auch ein Stück weit verdient gewesen wäre. Wir dürfen ein Spiel nicht so beenden wie heute in der Crunchtime.“

Denis Wucherer, Headcoach s.Oliver Würzburg:
„Es war heute einiges dabei, was deutlich besser war als vor zwei Wochen gegen Hamburg, gerade offensiv. Es passieren aber auch nach wie vor Dinge auf dem Feld, die einfach nicht passieren dürfen. Wir waren im vierten Viertel mit fünf Punkten vorne und hatten alle Chancen, das Spiel zu gewinnen. Und dann passieren Ballverluste und wir lassen Dreierschützen in wichtigen Verteidigungssequenzen frei stehen. Wir sind immer noch auf der Suche nach der Chemie im Team und unserer Identität. Zu viele Spieler sind häufig noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt, und ohne Fans und Atmosphäre ist es dann schwer, sie da raus zu bekommen. Das ist auch für einen Coach draussen an der Seitenlinie schwierig.“

Pete Strobl, Headcoach Basketball Löwen Braunschweig:
„Dieser erste Auswärtssieg ist für unsere junge Mannschaft sehr wichtig. Wir haben die Länderspielpause genutzt, um an unserem Spiel zu arbeiten und Kleinigkeiten zu verbessern. Wir haben heute viele Dinge gut gemacht, aber auch viel zu viele Offensiv-Rebounds zugelassen, besonders in der zweiten Halbzeit. An diesen Dingen müssen wir weiter arbeiten. Ich glaube aber, dass wir auf einem guten Weg sind. Wir haben Herz, Leidenschaft und Kampfgeist gezeigt und sind stolz auf den Sieg nach Verlängerung.“