s.Oliver Würzburg verliert BBL-Saisonauftakt gegen Ulm

POKALREVANCHE NICHT GEGLÜCKT
s.Oliver Würzburg muss sich ratiopharm Ulm auch beim Liga-Start in eigener Halle geschlagen geben

Nichts war es mit der Revanche für die knappe Niederlage im Magenta Sport BBL Pokal vor zwei Wochen: s.Oliver Würzburg hat auch das Duell zum Start in die Hauptrunde der easyCredit BBL gegen ratiopharm ulm verloren. Nach drei Vierteln auf Augenhöhe war es erneut die Schlussphase der Partie, die den Gastgebern zum Verhängnis wurde. Durch einen 15:0-Lauf der Ulmer zwischen der 28. und 32. Spielminute gerieten sie zweistellig in Rückstand und mussten sich am Ende mit 77:90 (41:42) geschlagen geben. Top-Scorer der Begegnung war Ulms Nationalspieler Andreas Obst mit 25 Punkten, auf Würzburger Seite trafen Mark Ogden (19), Micah Downs (14) und Nils Haßfurther (10) zweistellig.

Dabei waren die Voraussetzungen für einen Würzburger Sieg gar nicht schlecht: Mit Thomas Klepeisz, Dylan Osetkowski und Defensiv-Spezialist Christoph Philipps fehlten auf Ulmer Seite beim Liga-Auftakt in der s.Oliver Arena gleich drei Stammspieler. Und auch beim Blick auf den Statistikbogen wird nicht gleich klar, warum es auch im dritten Anlauf nach einer Begegnung in der Vorbereitung und dem Pokal-Duell nicht geklappt hat: Starken 22 Würzburger Assists stehen nur zehn Ballverluste gegenüber, während Ulm fast doppelt so oft den Ball hergab (19 Turnovers) und nur auf 13 Korbvorlagen kam. Auch bei den Offensivrebounds lagen die Vorteile klar auf Seiten der Hausherren, die dadurch 14 Würfe mehr aus dem Feld hatten als die Schwaben.

Allerdings war die Trefferquote aus dem Zweierbereich nicht gut genug, um aus diesen Vorteilen entscheidendes Kapital zu schlagen. Zwar konnten sich die Gastgeber in den ersten drei Vierteln mehrfach absetzen, Ulm konnte aber immer wieder kontern. Nach einem Würzburger 9:2-Start in die Partie fanden die Spieler des EuroCup-Teilnehmers ab der 3. Minute ihren Rhythmus und drehten den Spielstand zum ersten Mal (14:18, 9. Minute).

Die Würzburger Antwort war eine starke Phase in Form eines viertel-übergreifenden 12:2-Zwischenspurts zum 26:20 – Höhepunkt war ein Buzzer-Dreier von Mark Ogden. Die Gastgeber machten danach konzentriert und mit Selbstvertrauen weiter – die höchste Führung des Spiels holte Nils Haßfurther mit einem Sprungwurf zum 35:27 in der 17. Minute. Nach einer Auszeit ihres Cheftrainers Jaka Lakovic fanden die Ulmer dann schnell wieder in die Spur: Per Günther und Andreas Obst erzielten die nächsten acht Zähler des Spiels zum 35:35-Ausgleich. Am Ende einer ersten Halbzeit auf Augenhöhe gingen die Teams beim Spielstand von 41:42 aus Würzburger Sicht in die Kabinen.

KLEINE ULMER AUFSTELLUNG SETZT SICH DURCH

Nachdem die Gäste bereits die letzten fünf Punkte der ersten Halbzeit erzielt hatten, machten sie zu Beginn des dritten Viertels genauso weiter: Nach einem Obst-Dreier und einem Dunk von Isaiah Wilkins zum 41:47 war in der 22. Minute Denis Wucherer mit einer Auszeit dran. Die Ansprache zeigte Wirkung: Tayler Persons glich in der 25. Minute zum 49:49 aus, und auch danach blieb die Partie zunächst weiter völlig offen.

Der Wendepunkt kam in den letzten beiden Spielminuten des dritten Viertels: Nachdem Cameron Hunt s.Oliver Würzburg mit 58:56 in Führung geworfen hatten, starteten Andi Obst mit einem „And One“ und Patrick Heckmann mit einem Korbleger den entscheidenden Run der Gäste. Und weil jetzt auch der vorher eher unauffällig agierende Troy Caupain seine Dreier traf, lagen die Ulmer in der 32. Minute auf einmal zweistellig vorne (58:71).

Nach einer weiteren Wucherer-Auszeit lief es im Angriff zwar wieder besser für die Gastgeber, auf erfolgreiche Drei-Punkte-Würfe von Nils Haßfurther und Micah Downs hatte aber jedes Mal Caupain (13 Punkte/3 Dreier im vierten Viertel) die passende Antwort, so dass jeder Ansatz einer Aufholjagd gleich wieder im Keim erstickt wurde. Knapp drei Minuten vor dem Ende traf Andreas Obst per Korbleger zum 70:85 und sorgte damit frühzeitig für die Entscheidung.

„Ulm war zwar ersatzgeschwächt, hat aber trotzdem genug Erfahrung. Sie haben plötzlich klein gespielt, was wir bisher noch nicht gesehen hatten“, sagte Denis Wucherer nach dem Spiel: „Dass uns diese Unwägbarkeiten so viele Probleme bereiten, ist ärgerlich. Vor allem, weil wir vorher genug richtig gemacht haben, um das Spiel zu gewinnen. Wir sind bei der ersten Stressituation auseinander gefallen und haben wieder sehr viel Unsinn getrieben. Das gilt vor allem für unsere Guards, mit Ausnahme von Nils Haßfurther, der heute als einziger auf einem vernünftigen Niveau gespielt hat.“

STATISTIKEN UND STIMMEN ZUM SPIEL 

S.OLIVER WÜRZBURG – RATIOPHARM ULM 77:90 (17:18, 24:24, 17:20, 19:28)

Für s.Oliver Würzburg spielten:
Mark Ogden 19 Punkte/2 Dreier, Micah Downs 14/1 (3 Steals), Nils Haßfurther 10/1, Tayler Persons 9, Zach Smith 8, Cameron Hunt 7/1, Julian Albus 3/1, Tyson Ward 3/1 (6 Assists), Felix Hoffmann 2, Florian Koch 2, Joshua Obiesie.

Top-Performer Ulm:
Andreas Obst 25/2, Troy Caupain 19/4, Per Günther 8, John Petrucelli 8 (3 Steals).

Key Stats:
Feldwurfquote: 
Würzburg 39 Prozent (24 von 62) – Ulm 65 Prozent (31 von 48)
Fastbreak-Punkte: Würzburg 2 – Ulm 10
Punkte in der Zone: Würzburg 28 – Ulm 42

Nils Haßfurther, s.Oliver Würzburg:
„Wir haben drei Viertel ganz gut mitgehalten. Danach waren wir nicht mehr so konzentriert, haben zu viele einfache Fehler gemacht und standen in der Verteidigung nicht mehr so solide. Wenn man den Ulmern freie Räume lässt, nutzen sie das mit ihrer Qualität natürlich aus. Es wäre machbar gewesen, das Spiel bis zum Schluss eng zu halten.“

Denis Wucherer, Headcoach s.Oliver Würzburg:
„Es ist etwas enttäuschend, dass wir heute wieder da waren, wo wir bei unseren ersten beiden Pokalspielen gegen Ludwigsburg und Bamberg waren. Bei der ersten Stresssituation sind wir auseinander gefallen und haben wieder sehr viel Unsinn getrieben. Das gilt vor allem für unsere Guards, mit Ausnahme von Nils Haßfurther, der als einziger auf einem vernünftigen Niveau gespielt hat. Ulm war zwar ersatzgeschwächt, hat aber trotzdem genug Erfahrung. Sie haben plötzlich klein gespielt, was wir bisher noch nicht gesehen hatten. Dass uns diese Unwägbarkeiten dann so viele Probleme bereiten, ist ärgerlich. Vor allem, weil wir vorher genug richtig gemacht haben, um das Spiel zu gewinnen.“

Jaka Lakovic, Headcoach ratiopharm ulm:
„Ohne Thomas Klepeisz, Dylan Osetkowski und Christoph Philipps war das heute ein schwieriges Spiel für uns. Wir wussten, dass Würzburg schnell und mit viel Switching spielt, aber es war trotzdem nicht einfach, uns nach dem Eurocup darauf einzustellen. In der zweiten Halbzeit haben wir kleiner gespielt und konnten das Spiel mit unserer ersten guten Verteidigungsphase entscheiden. In der ersten Halbzeit haben uns die Würzburger Offensivrebounds weh getan, das haben wir dann auch besser gemacht. Ich bin zufrieden mit meiner Mannschaft und glücklich über den ersten Sieg in der BBL.“