s.Oliver Würzburg verliert knapp in Hamburg

38 MINUTEN AUF AUGENHÖHE MIT DEN HAMBURG TOWERS
s.Oliver Würzburg fehlt am Ende die Energie und ein Quäntchen Glück: 83:95-Niederlage in Hamburg

Zwei Tage nach dem sensationellen Heimsieg im Frankenderby gegen Brose Bamberg konnte s.Oliver Würzburg das Erfolgerlebnis in Hamburg nicht wiederholen: Im Auswärtsspiel zum Auftakt des 30. Spieltags der easyCredit BBL lieferten die Schützlinge von Headcoach Denis Wucherer dem Tabellensechsten bis zwei Minuten vor Schluss eine Duell auf Augenhöhe, mussten dann aber mit 83:95 (44:50) eine nach dem Spielverlauf zu deutliche Niederlage hinnehmen.

„Wir hätten das Spiel natürlich auch gerne bis in die letzte Minute hinein noch etwas enger gehalten, dafür hätten wir aber noch den einen oder anderen Dreier mehr treffen müssen. Trotzdem bin ich zufrieden mit unseren Jungs, die nach einer schwierigen Zeit jetzt auf dem richtigen Weg sind, um in den letzten fünf Spielen noch den einen oder anderen Sieg einzufahren“, sagte Wucherer nach der zweiten starken Leistung innerhalb von 48 Stunden. Topscorer der Begegnung war Hamburgs Center Maik Kotsar mit 21 Punkten, s.Oliver Würzburg hatte in Perry Jones und Rob Lowery (jeweils 17 Punkte) die besten Werfer.

Wucherer setzte beim vorletzten Auswärtsspiel der Saison auf dieselbe Startaufstellung wie gegen Bamberg, und auch der Spielverlauf im ersten Viertel erinnerte stark an das Frankenderby: Zwar erzielte Alex King per Dreier die ersten Punkte des Spiels, dann setzten aber die favorisierten Gastgeber die Akzente. Die Hamburger wurden ihrem Ruf als beste Bällediebe der Liga gerecht, erzwangen im ersten Viertel fünf Würzburger Ballverluste und schlossen vor allem in Korbnähe hochprozentig ab. In der vierten Minute traf der Ex-Würzburger Kameron Taylor einen Dreier zum Zwischenstand von 12:5, und diese 7-Punkte-Führung hatte auch nach den ersten zehn Minuten Bestand (24:17).

AUSGLEICH DURCH JOSHUA OBIESIE IN DER 15. MINUTE

Auf Würzburger Seite hielten in dieser Phase Perry Jones und Florian Koch mit zwölf Punkten dagegen. Zu Beginn des zweiten Abschnitts verkürzte Brekkott Chapman per Dreier auf 24:20, dann konnten die Hausherren ihren Vorsprung durch einen 7:0-Lauf schnell auf 31:20 ausbauen.

Denis Wucherer nahm die Auszeit, und sein Weckruf zeigte Wirkung: s.Oliver Würzburg nahm den Kampf jetzt an und kam mit deutlich mehr defensiver Intensität zurück aufs Parkett. Brekkott Chapman leitete eine starke Phase in der 13. Minute mit einem sauberen Block gegen Kameron Taylor ein, und nach einem Würzburger 13:2-Zwischenspurt war die Begegnung wieder völlig offen: Joshua Obiesie sorgte in der 15. Minute mit einem „And One“ für den 33:33-Ausgleich.

Im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit war es die bessere Dreierquote der Hamburger (7 von 12 vor der Pause), die den Unterschied ausmachte: Justus Hollatz, Terry Allen, TJ Shorts und Neuzugang Patrick Spencer trafen von außen, während s.Oliver Würzburg in dieser Phase fast nur aus dem Zweierbereich erfolgreich war – nach einem von den Gästen knapp gewonnenen zweiten Spielabschnitt lagen die Gastgeber beim Seitenwechsel daher wieder mit 50:44 vorne.

ZWEI MINUTEN VOR DEM ENDE NUR ZWEI PUNKTE HINTEN

Auch nach der Pause lieferten die Unterfranken dem Tabellensechsten ein Duell auf Augenhöhe und blieben immer in Schlagdistanz. Dass es ihnen nicht gelang, den Spielstand zu drehen, lag häufig an Patrick Spencer: Der 24-jährige US-Amerikaner kam überraschend zu seinem ersten Einsatz in der easyCredit BBL und erzielte 18 Punkte, elf davon in der zweiten Halbzeit.

„Ihn hatten wir nicht auf der Rechnung, und es hat etwas gedauert, bis unsere Jungs verstanden hatten, was er kann und was er nicht kann“, sagte Wucherer. Vor allem in den ersten fünf Minuten des dritten Viertels hatte Spencer immer eine Antwort parat, wenn die Gäste verkürzen konnten, so dass Hamburg seinen knappen Vorsprung zunächst behalten und dann in der 26. Minute sogar auf neun Punkte ausbauen konnte.

s.Oliver Würzburg ließ sich davon aber nicht entmutigen und hielt mit dem Selbstvertrauen eines Derbysiegers dagegen: Perry Jones verkürzte in der 28. Minute mit einem Dreier auf 67:64 und hatte im nächsten Angriff die Chance zum Ausgleich, sein nächster Drei-Punkte-Wurf landete aber nur am Ring. Somit ging zwar auch das dritte Viertel knapp an die Gäste, Hamburg lag nach 30 Minuten aber weiter mit fünf Punkten vorne (72:67).

Im Schlussabschnitt konnten die Towers ihre Führung zunächst erneut auf neun Zähler ausbauen (83:74, 35. Minute), aber s.Oliver Würzburg steckte noch lange nicht auf: Zwei Dreier von Cameron Hunt und Florian Koch stellten den Spielstand auf 83:80, Kapitän Felix Hoffmann verkürzte von der Freiwurflinie auf 83:81. Und auch knapp zwei Minuten vor dem Ende war für die Gäste noch alles drin, nachdem Tyson Ward einen Fastbreak per Korbleger zum 85:83 abgeschlossen hatte.

In der Crunchtime fehlte den Unterfranken dann aber zwei Tage nach dem Frankenderby etwas Energie und in den entscheidenden Situationen auch das nötige Quäntchen Glück, um dem Favoriten ein Bein zu stellen. Hamburg nutzte seine Chancen besser und beendete die Partie mit einem 10:0-Lauf, eingeleitet durch einen Korbleger von Maik Kotsar zum 87:83. Anschließend behielten die Gastgeber auch an der Freiwurflinie die Nerven und brachten ihren sechsten Heimsieg in Folge mit acht Treffern bei acht Versuchen über die Ziellinie.

STATISTIKEN UND STIMMEN ZUM SPIEL

HAMBURG TOWERS – S.OLIVER WÜRZBURG 95:83 (24:17, 26:27, 22:23, 23:16)

Für s.Oliver Würzburg spielten:
Perry Jones 17 Punkte/2 Dreier, Robert Lowery 17/3, Cameron Hunt 10/2 (4 Assists), Brekkott Chapman 9/2, Florian Koch 8/2, Felix Hoffmann 7, Joshua Obiesie 5, Tyson Ward 5 (6 Rebounds), Alex King 3/1, Murphy Holloway 2 (5 Rebounds), Julian Albus.

Top-Performer Hamburg:
Maik Kotsar 21 (7 Rebounds), Patrick Spencer 18/2 (7 Rebounds), Terry Allen 15/3 (7 Rebounds), TJ Shorts 14/1 (10 Assists).

Key Stats:
Freiwürfe: 
Würzburg 11 von 17 (65 Prozent) – Hamburg 22 von 24 (92 Prozent)
Ballverluste: Würzburg 12 – Hamburg 6
Rebounds: Würzburg 34 (10 offensiv) – Hamburg 40 (11 offensiv)

Denis Wucherer, Headcoach s.Oliver Würzburg:
„Gratulation an Coach Calles und sein Team zum verdienten Sieg und zur frühzeitigen Qualifikation für die Playoffs. Wir hätten das Spiel natürlich auch gerne bis in die letzte Minute hinein noch etwas enger gehalten, dafür hätten wir aber noch den einen oder anderen Dreier mehr treffen müssen. Prinzipiell glaube ich, dass es auch etwas daran lag, dass wir Patrick Spencer vor dem Spiel nicht auf der Rechnung hatten. Es war ein sehr starkes Debüt von ihm. Das Pick and Roll von TJ Shorts und Maik Kotsar ist sehr schwer zu verteidigen, auch daraus hat Hamburg viel Kapital geschlagen. Da sahen wir nicht immer gut aus. Trotzdem bin ich zufrieden mit unseren Jungs, die nach einer schwierigen Zeit jetzt auf dem richtigen Weg sind, um auf die Zielgerade einzubiegen und hoffentlich in den letzten fünf Spielen noch den einen oder anderen Sieg einzufahren. Mit dem Sieg gegen Bamberg haben wir uns etwas Raum zum Durchatmen gegeben.“

Pedro Calles, Headcoach Hamburg Towers:
„Ein großes Kompliment an meine Spieler. Würzburg hat jetzt wieder eine komplette Mannschaft und spielt seinen besten Basketball in dieser Saison. Wir haben einen Weg gefunden, mit viel Tempo und hoher Intensität zu spielen, obwohl wir heute ersatzgeschwächt waren. Patrick Spencer ist seit zwei Monaten bei uns und versteht unsere Prinzipien und wie wir spielen wollen.“