s.Oliver Würzburg verliert mit dem letzten Wurf in Vechta

DREI VIERTEL GEWONNEN, SPIEL KNAPP VERLOREN

Schon wieder Spannung bis zum letzten Wurf: s.Oliver Würzburg unterliegt in Vechta mit 87:89 (33:47)

Zum sechsten Mal in Folge ist ein easyCredit BBL-Spiel mit Beteiligung von s.Oliver Würzburg erst in der Schlussminute entschieden worden: Sechs Sekunden vor dem Ende bekam Jordan Hulls am Freitagabend im ausverkauften RASTA Dome in Vechta die Möglichkeit, sein Team in Führung zu werfen, sein Dreier ging aber nur an den Ring. Zuvor hatten die Schützlinge von Headcoach Denis Wucherer erneut ihre große Moral bewiesen und sich nach einem zwischenzeitlichen 18-Punkte-Rückstand die Chance erkämpft, die Partie doch noch für sich zu entscheiden. Nach dem nächsten spannenden Basketball-Krimi mussten sich die Unterfranken am Ende aber knapp mit 87:89 (33:47) bei RASTA Vechta geschlagen geben, obwohl sie drei der vier Viertel gewinnen konnten.

Mehr Abschlüsse aus dem Feld und von der Freiwurflinie und außerdem deutlich weniger Ballverluste, dafür Probleme beim Rebound und bei der Trefferquote von der Dreierlinie – so lässt sich die Partie des 13. Spieltags aus Würzburger Sicht in aller Kürze statistisch zusammenfassen. Die Unterfranken mussten in Vechta ohne Luke Fischer und Victor Rudd auskommen, die beide erkrankt sind und daher den Trip ins westliche Niedersachsen nicht antreten konnten. Für die beiden „Big Men“ stellte Wucherer unter anderem seinen Energizer Felix Hoffmann zum ersten Mal in der laufenden Saison in die Startaufstellung. Der „Würzburg Warrior“ zeigte auch gleich, warum: Er erzielte die ersten vier Punkte für s.Oliver Würzburg und trug in der Anfangsphase zusätzlich mit zwei Ballgewinnen dazu bei, dass die Unterfranken sich einen Acht-Punkte-Vorsprung herauswerfen konnten (3:11, 5. Minute).

Danach stellten die Hausherren, die in den ersten knapp sechs Minuten nur sechs Punkte erzielten, ihr Visier besser ein und kamen noch vor dem Ende des ersten Viertels wieder auf einen Zähler heran. Beim Stand von 8:16 in der 8. Spielminute startete Vechta einen viertel-übergreifenden 14:0-Lauf, der bereits die vorentscheidende Wende in der Partie bringen sollte – in der 12. Minute lagen die RASTAner dadurch mit 22:16 in Führung.

Dass die Gastgeber sich danach immer weiter absetzen konnten, lag an ihrer starken Trefferquote aus der Distanz: Von der 10. bis zur 20. Minute versenkten Topscorer Josh Young (21 Punkte/5 Dreier) und seine Kollegen sieben Dreier bei neun Versuchen, während bei s.Oliver Würzburg die Quote von außen in den ersten zwanzig Minuten mit 21 Prozent sehr zu wünschen übrig ließ. „Wir waren in der ersten Halbzeit ungewohnt passiv und hatten nach 18 Minuten erst zwei Fouls begangen. So kann man in der Defensive in Vechta natürlich nicht auftreten“, betonte Denis Wucherer nach dem Spiel.

Auch nach dem Seitenwechsel waren es zunächst die Hausherren, die durch die nächsten beiden erfolgreichen Dreier von Max DiLeo (12 Punkte/3 Dreier) und Steve Vasturia (17 Punkte/4 Dreier) ihren Vorsprung weiter ausbauen konnten – In der 25. Minute lag RASTA Vechta mit 57:39 vorne. Diese höchste Führung der Heimmannschaft kam auch dadurch zustande, dass s.Oliver Würzburg sich in dieser Phase noch nicht für die jetzt deutlich intensivere Verteidigung belohnen konnte: Beim Spielstand von 53:39 konnten die Wucherer-Schützlinge gleich drei Ballgewinne in Folge nicht zu eigenen Korberfolgen nutzen.

LETZTER WURF ZUR FÜHRUNG GEHT NUR AN DEN RING

Erst ab der 26. Minute begann sich das Blatt zu wenden: Florian Koch und Jordan Hulls leiteten mit zwei Dreiern eine Aufholjagd ein, durch die das Spiel innerhalb von gut vier Minuten wieder spannend wurde. Mit einem 25:10-Zwischenspurt verkürzte s.Oliver Würzburg bis zum Ende des dritten Viertels auf 70:67, dann waren zu Beginn des Schlussabschnitts wieder die Gastgeber am Zug, die schnell auf 76:67 davonziehen konnten.

Auch zu Beginn der letzten beiden Spielminuten lag RASTA Vechta nach einem Korbleger von Jordan Davis noch zweistellig vorne (87:77, 39. Minute), aber die Gäste ließen auch in dieser Situation die Köpfe nicht hängen und verkürzten noch vor den letzten sechzig Sekunden des Spiels durch einen Dreier von Skyler Bowlin und vier Punkte von Topscorer Cameron Wells wieder auf 87:84. Vechtas Nachverpflichtung war es auch, der den Unterfranken am Ende noch eine Siegchance ermöglichte: Jordan Davis konnte in der Schlussminute bei zwei Trips an die Freiwurflinie jeweils nur einen von zwei Würfen versenken.

So konnte Jordan Hulls erst mit einem „And One“ auf 88:87 verkürzen und bekam dann wenige Sekunden vor dem Ende beim Stand von 89:87 erneut den Ball, um mit einem Dreier die Führung herauszuwerfen. Das gelang dem „Sniper aus Indiana“ aber nicht, so dass Vechta seinen siebten Saisonsieg feiern und in der Tabelle an s.Oliver Würzburg vorbei ziehen konnte. „Ich bin sehr enttäuscht darüber, dass keiner der Schiedsrichter in der Lage war, den letzten Wurf von Jordan Hulls bis zum Ende zu beobachten um zu erkennen, dass da ein klares Foul vorliegt“, gab Denis Wucherer bei der Pressekonferenz nach dem Spiel zu Protokoll.

Weiter geht es für s.Oliver Würzburg bereits am Sonntag um 18 Uhr mit dem Après-Ski-Heimspiel gegen die Telekom Baskets Bonn – DJ Marco Mora wird vor und nach der Partie für die dazu passende Stimmung sorgen. Zum Start ins neue Jahr und zum Abschluss der drei „Winter SnOW Games“ sind fünf Tage später (Freitag, 3. Januar 2020, 20:30 Uhr) die Basketball Löwen Braunschweig in der s.Oliver Arena zu Gast. Für beide Partien gibt es noch Tickets im Online-Shop und an der Abendkasse.

RASTA VECHTA – S.OLIVER WÜRZBURG 89:87 (15:16, 32:17, 23:34, 19:20)

Für s.Oliver Würzburg spielten:
Cameron Wells 17 Punkte (7 Assists / 4 Steals), Jordan Hulls 15/2 Dreier (5 Assists), Junior Etou 14, Skyler Bowlin 11/3, Florian Koch 8/2, Johannes Richter 8, Julian Albus 5/1, Joshua Obiesie 5/1, Felix Hoffmann 4, Nils Haßfurther.

Top-Performer Vechta:
Josh Young 21/5, Steve Vasturia 17/4 (5 Assists), Max DiLeo 12/3, Kamari Murphy 10 (10 Rebounds).

Key Stats:
Dreierquote: 
Würzburg 32 Prozent (9 von 28) – Vechta 50 Prozent (14 von 28)
Rebounds: 
Würzburg 24 (8 offensiv) – Vechta 35 (11 offensiv)
Assists: Würzburg 23 – Vechta 27

STIMMEN ZUM SPIEL

Johannes Richter, s.Oliver Würzburg:
„Wir hatten wegen unserer beiden Ausfälle vor allem in der ersten Halbzeit beim Rebound Probleme und haben auch zu viele offene Würfe zugelassen. Dadurch war Vechta zur Halbzeit deutlich vorne. Wir haben dann zwar gekämpft, aber es sollte heute knapp nicht reichen. Wir hätten beim letzten Wurf vielleicht noch eine andere Option suchen können, aber ich glaube, der Dreier von Jordan Hulls war trotzdem die richtige. Wir wollen in die Playoffs kommen, deshalb ist das heute ein Rückschlag für uns. Wir müssen die guten Dinge aus diesem Spiel mitnehmen, schnell regenerieren und am Sonntag gegen Bonn zuhause die Punkte holen.“

Denis Wucherer, Headcoach s.Oliver Würzburg:
„Ich gratuliere Coach Pedro Calles und RASTA Vechta zu diesem Sieg, der aus der ersten Halbzeit resultiert, in der wir ungewöhnlich passiv agiert haben. Nach 18 Minuten hatten wir gerade mal zwei Fouls begangen, so darf man hier in Vechta in der Verteidigung natürlich nicht auftreten. Ich bin aber auch sehr enttäuscht darüber, dass keiner der drei Schiedsrichter in der Lage war, den letzten Wurf von Jordan Hulls bis zum Ende zu beobachten um zu erkennen, dass da ein klares Foul vorliegt. Ich bin darüber umso enttäuschter, weil die Offiziellen der BBL von uns frühzeitig darüber in Kenntnis gesetzt wurden, wie oft von Vechta im Closeout der Landeplatz des Werfers quasi weggenommen und dadurch der Wurf massiv beeinträchtigt wird. Bei unserem Spieler Julian Albus haben sie das beim Dreier von Steve Vasturia korrekt gesehen. Dass man das dann drei Sekunden vor Schluss nicht sieht, ist für mich sehr enttäuschend. Ich weiß nicht, ob und in welcher Verfassung Luke Fischer oder Victor Rudd am Sonntag dabei sein werden. Insofern müssen wir es mit der Truppe, die heute gespielt hat, gegen Bonn besser machen und im Idealfall über 40 Minuten mit derselben Energie spielen wie heute in der zweiten Halbzeit. Von der Größe her sehen wir zur Zeit ja eher aus wie eine Schülermannschaft. Wir müssen irgendwie einen Weg finden, die Punkte gegen Bonn am Sonntag zuhause zu behalten.“

Pedro Calles, Headcoach RASTA Vechta:
„Ich kann heute nur mit dem Sieg zufrieden sein. Als Coach kann man nicht zufrieden sein, wenn man nur ein Viertel des Spiels gewinnt und 22 Ballverluste hat. Es ist nicht das erste Mal, dass wir eine hohe Führung wieder abgeben, weil wir ohne Entschlossenheit und ohne Kommunikation auf dem Parkett spielen. Wenn wir jede Woche eine bessere Mannschaft sein wollen, müssen wir damit anfangen und erst einmal dieses Problem lösen.“