s.Oliver Würzburg verliert zuhause deutlich gegen Bamberg

DREISSIG STARKE MINUTEN GENÜGEN NICHT GEGEN BAMBERG 

s.Oliver Würzburg verliert das vierte Viertel mit 10:32 und das Frankenderby mit 77:95

Zu Beginn des Schlussabschnitts lag s.Oliver Würzburg nach 30 starken Minuten im Frankenderby noch mit 69:63 in Führung, dann drehten die Gäste auf und entschieden die Partie mit einem 25:4-Zwischenspurt: Nach der 77:95-Heimniederlage gegen Brose Bamberg sind die Unterfranken am 22. Spieltag der easyCredit BBL auf den achten Tabellenplatz zurückgefallen. „Nach 30 Minuten waren wir eigentlich genau da, wo wir sein wollten. Dann hat Bamberg die Verteidigung gewechselt und wir haben in dieser neuen Situation nicht wirklich hohen Basketball-IQ bewiesen“, sagte Headcoach Denis Wucherer hinterher. Vor dem Sprungball hatte die Nachricht von der Verlängerung seines Vertrags um zwei Jahre bis 2022 für Riesenjubel und beste Stimmung in der mit 3.140 Zuschauern restlos ausverkauften s.Oliver Arena gesorgt.

Der 46-Jährige schickte mit Skyler Bowlin, Cameron Wells, Florian Koch, Brekkott Chapman und Luke Fischer dieselbe Startformation auf‘s Parkett wie beim souveränen Auswärtssieg in Bonn fünf Tage zuvor, und seine Spieler machten auch genau da weiter, wo sie im Rheinland aufgehört hatten: Der Ball lief im Angriff nicht nur gut durch viele Hände, sondern landete am Ende des Spielzugs immer wieder am Brett bei Luke Fischer, der die Möglichkeiten hochprozentig verwertete. Nach fünf gespielten Minuten hatte der Würzburger Center bereits acht Punkte uaf dem Konto – die zwei spektakulärsten mit einem mächtigen Putback-Dunk, der eine Bewerbung für die Top10 des Spieltags bei MagentaSport war.

Auf Bamberger Seite hielten in der ersten Halbzeit vor allem der ehemalige Würzburger Kameron Taylor und der Ex-NBA-Star Jordan Crawford dagegen, der in seiner zweiten Partie für die Oberfranken schnell seinen Wurfrhythmus fand: Fünf Dreier, teilweise von ganz weit draußen, versenkte der 31-Jährige – vier davon bereits vor der Pause. Aber auch die Gastgeber nahmen ihre Distanzwürfe mit sehr viel Selbstvertrauen: Sechs von acht Dreierversuchen in den ersten zwanzig Minuten waren erfolgreich, einer davon durch Youngster Joshua Obiesie mit der Schlusssirene des ersten Abschnitts zum 24:21.

In den zweiten Abschnitt starteten die Bamberger mit einem schnellen 8:0-Lauf zum Zwischenstand von 24:29, nach einer Wucherer-Auszeit und einem unsportlichen Foul von Retin Obasohan an Brekkott Chapman waren die Gastgeber aber sofort wieder zurück im Spiel. Der gebürtige Bamberger Nils Haßfurther sorgte in der 14. Minute per Dreier für den 31:31-Ausgleich. Vier Minuten später war der Spielstand immer noch Unentschieden (43:43, 18. Minute), nachdem Cameron Wells jeweils zwei Drei-Punkte-Treffer von Jordan Crawford kontern konnte – erst durch einen Dreier, dann mit einem „And One“.

In der Schlussphase der ersten Halbzeit gelang es den Hausherren dann, sich durch jeweils vier Punkte von Luke Fischer und Skyler Bowlin noch auf 51:45 abzusetzen. Und auch im dritten Viertel sahen die 3.140 Zuschauer die enge und hart umkämpfte Partie, die aufgrund des Tabellenstands und des bisherigen Saisonverlaufs zu erwarten war. Erst setzte sich s.Oliver Würzburg zweistellig ab (55:45, 23. Minute), dann konterte Bamberg durch einen Dreier mit Bonusfreiwurf von Kameron Taylor und vier Freiwürfe von Elias Harris (55:53, 24. Minute). Auf Augenhöhe ging es auch bis zur letzten Viertelpause weiter – beim Spielstand von 67:63 aus Würzburger Sicht begann der Schlussabschnitt, den Luke Fischer mit einem Korbleger zum 69:63 eröffnete.

ZWEI BAMBERGER LÄUFE SORGEN FÜR DIE ENTSCHEIDUNG

Es waren die letzten Punkte des Würzburger Centers: Bamberg änderte die Taktik in der Defensive, ging wesentlich intensiver zur Sache und drehte mit einem 10:0-Lauf zum 69:73 nicht nur den Spielstand, sondern holte sich auch das Momentum für den Rest der Partie. „Bamberg hat die Verteidigung gegen das Pick-and-Roll umgestellt, und das ist gefühlt keinem meiner Spieler aufgefallen“, legte Denis Wucherer nach dem Spiel gewohnt schonungslos den Finger in die Wunde: „Wir scheinen überrascht zu sein, wenn der Gegner sich plötzlich wehrt und einen Plan B sucht, wenn Plan A nicht funktioniert hat. Spätestens im vierten Viertel haben wir nicht gut agiert. Cleveren Teams passiert so etwas nicht.“

Der Rest des Spiels ist schnell erzählt: s.Oliver Würzburg fand im Angriff kein Mittel gegen die aggressive Bamberger Defensive und ließ mehrmals die 24 Sekunden Angriffszeit ungenutzt verstreichen, während die Oberfranken mit einem weiteren 13:0-Lauf zum 73:88 in der 37. Minute alles klar machen und sich durch den deutlichen Sieg auch den direkten Vergleich sichern konnten. „Es ist gut, dass wir nächste Woche mit Oldenburg gleich den nächsten starken Gegner hier haben. Da werden wir versuchen, es besser zu machen“, sagte Wucherer. Pokalfinalist EWE Baskets Oldenburg ist am 14. März um 20:30 in Würzburg zu Gast. Am darauf folgenden Mittwoch geht es für s.Oliver Würzburg zum nächsten Playoff-Duell bei den HAKRO Merlins Crailsheim.

S.OLIVER WÜRZBURG – BROSE BAMBERG 77:95 (24:21, 27:24, 16:18, 10:32)

Für s.Oliver Würzburg spielten:
Luke Fischer 20 Punkte (8 Rebounds), Cameron Wells 16/1 Dreier (7 Assists), Skyler Bowlin 12/2 (6 Assists), Florian Koch 7/1, Joshua Obiesie 5/1, Jordan Hulls 4/1, Brekkott Chapman 4, Junior Etou 4, Nils Haßfurther 3/1, Felix Hoffmann 2, Jonas Weitzel.

Top-Performer Bamberg:
Jordan Crawford 23/5, Kameron Taylor 21/4, Retin Obasohan 16/2, Assem Marei 13 (8 Rebounds), Elias Harris 11.

Key Stats:
Punkte aus zweiten Chancen: 
Würzburg 8 – Bamberg 21
Ballverluste: Würzburg 16 – Bamberg 6
Freiwürfe: Würzburg 4 von 5 (80 Prozent) – Bamberg 17 von 22 (77 Prozent)

STIMMEN ZUM SPIEL

Denis Wucherer, Headcoach s.Oliver Würzburg:
„Glückwunsch an Bamberg zu einem aufgrund des vierten Viertels verdienten Sieg. Wir haben in der zweiten Halbzeit offensiv zehn Ballverluste produziert und es dabei viermal nicht geschafft, innerhalb von 24 Sekunden den Ball auf den Korb zu werfen. Dieses Zögern ist mir ein Rätsel, nachdem wir vorher drei Viertel lang ein tolles Spiel gesehen haben und die Halle voll da war. Wir waren nach 30 Minuten eigentlich genau da, wo wir sein wollten. Es kann mal passieren, vorne den Rhythmus zu verlieren. Aber es darf nicht sein, dann auch in der Verteidigung und am defensiven Brett den Job einzustellen und jeden 50-50-Ball abzugeben. So hast du in der Liga gar keine Chance, Spiele zu gewinnen. Das ist uns in den letzten Wochen auch nicht zum ersten Mal passiert. Es ist gut, dass wir nächste Woche mit Oldenburg den nächsten starken Gegner hier haben. Da werden wir versuchen, es besser zu machen.“

Roel Moors, Headcoach Brose Bamberg:
„Ich bin sehr stolz auf meine Spieler, vor allem wegen der Leistung in der zweiten Halbzeit. Jeder weiß, was uns letzte Woche in Berlin passiert ist, deswegen brauchten wir heute unbedingt einen Sieg. Wir hatten in der ersten Halbzeit einige Probleme, vor allem mit dem Würzburger Pick-and-Roll-Spiel auf Luke Fischer. In der zweiten Halbzeit haben wir in der Verteidigung einen exzellenten Job gemacht und im Angriff mit viel Selbstvertrauen gespielt. Das Ergebnis hat man gesehen.“