Würzburger Kickers schlagen Spitzenreiter Hamburg

3:2-ERFOLG GEGEN DEN HSV: DIE KICKERS BESIEGEN DEN TABELLENFÜHRER

Was für ein Fußballnachmittag am Würzburger Dallenberg: Mit 3:2 besiegten die Mainfranken den Tabellenführer aus Hamburg. Vor allem mit ihrer konsequenten Defensive zog die Elf von Bernhard Trares dem Favoriten den Zahn. Vor der Pause hatten Martin Hašek (19.) und Douglas (29.) mit ihren Premierentreffern für die 2:0-Führung gesorgt, Patrick Sontheimer legte nach dem Seitenwechsel nach (54.). Zwar drückten die Hanseaten, mehr als die Tore Jeremy Dudziaks (72.) und Bobby Woods (89.) gelangen den Gästen aber nicht.

FWK-Cheftrainer Bernhard Trares hatte zum vierten Mal in Folge die gleiche Startelf ins Rennen geschickt. Fabian Giefer (Sprunggelenksprobleme), Nzuzi Toko (Knochenprellung & Bluterguss), Ewerton (muskuläre Probleme), Hendrik Hansen (Knieprobleme) und Luke Hemmerich (Aufbautraining) standen beim Heimspiel gegen den Tabellenführer nicht zur Verfügung.

Bei frühlingshaften Temperaturen übernahmen die Hanseaten von Beginn an die Spielkontrolle, ließen Ball und Gegner laufen. Die Kickers erwarteten die Hamburger gut gestaffelt, sodass ihnen aus dem Spiel heraus kaum etwas gelang. Die HSV-Offensive war abgemeldet, viele Bälle fanden nicht den gewünschten Abnehmer. Dennoch hatte der optisch überlegene Tabellenführer die große Möglichkeit zur Führung. Nach einem Foul an Tim Leibold klatschte der fällige Freistoß aus 21 Metern, getreten von Sonny Kittel, an den linken Außenpfosten (9.).

Hašek mit Premierentor zum 1:0

Die Nordlichter schienen ihrer Favoritenrolle früh gerecht zu werden, leisteten sich aber wenig später in Person von Sven Ulreich beinahe einen folgenschweren Fauxpas. Nach einem harmlosen Rückpass Gideon Jungs rutschte dem Schlussmann das Leder über den Schlappen und kullerte fast über die Linie. Gerade noch verhinderte Ulreich das Eigentor (12.).

In der Folge wurden die Mainfranken mutiger und kamen auch aus eigener Kraft gefährlich vor das HSV-Gehäuse. Nach einem feinen Spielzug über mehrere Stationen landete das Leder bei Martin Hašek, der Ulreich zu einer Parade zwang (17.). Nur zwei Minuten später zappelte der Ball aber im Hamburger Netz. Jan Gyamerahs Klärungsversuch am Mittelkreis gegen Patrick Sontheimer wurde zum Boomerang. Von Moritz Heyers Brustkorb prallte der Ball in den Lauf Hašeks, der platziert rechts unten einschoss (19.).

Mit Rückenwind zum 2:0

Mit dem Rückenwind des Treffers agierte die Trares-Elf weiter auf Augenhöhe und hatte die besseren Gelegenheiten. Rolf Feltschers Hereingabe landete bei Arne Feick am gegenüberliegenden Strafraumeck. Dessen Volleyschuss rauschte knapp am Kreuzeck vorbei (22.). Kurz darauf war wieder Ulreich gefragt, der einen Kopfball Marvin Pieringers nach einer kurz ausgeführten Ecke gerade noch von der Linie kratzte (28.). Statt des Ausgleichs lag eher das zweite Tor der Kickers in der Luft – und das fiel dann tatsächlich.

Einen Lotrič -Eckball klärten die Hamburger zwar, doch Daniel Hägele machte den Ball nochmals scharf. An Freund und Feind vorbei landete das Leder bei Douglas, der aus zwölf Metern halbrechter Position fulminant einschoss (29.). Völlig verdient führte der FWK gegen den Spitzenreiter und nahm den Vorsprung rund eine Viertelstunde später auch mit in die Halbzeitpause. Von den Hanseaten kam gegen weiterhin konsequent verteidigende Würzburger nichts mehr. „Ich bin sehr zufrieden. Defensiv stehen wir sehr gut, haben die Räume eng gemacht. Offensiv waren wir oftmals zu nervös. Jetzt müssen wir die Ruhe bewahren und stabil verteidigen“, sagte Sebastian Schuppan, Vorstand Sport, in der Halbzeitpause bei Sky.

Sontheimer schockt den HSV – 3:0

Doch das war leichter gesagt als getan. Denn die Hamburger kamen mit Wut im Bauch aus der Kabine. Bei zwei scharfen Hereingaben Kittels und Leibolds war die FWK-Defensive auf dem Posten, ebenso wie Hendrik Bonmann bei Manuel Wintzheimers 15-Meter-Schuss (49.). Bei Leibolds Flanke rettete Christian Strohdiek in höchster Not auf der Linie (53.). Erst in der 54. Minute schafften es die Würzburger, sich zu befreien – aber wie. Das Spielgerät landete an der Strafraumkante bei Sontheimer, der mit links abzog und Ulreich so zum dritten Mal an diesem Nachmittag schlagen konnte.

Besiegt waren die Hamburger aber damit noch lange nicht. Zwar verteidigten die Kickers weiter leidenschaftlich, jeden Angriff der besten Offensive der Liga konnten sie aber nicht unterbinden. David Kinsombis Abschluss landete im Fangzaun (64.). Besser machte es dann aber Jeremy Dudziak. Terodde legte eine Leibold-Hereingabe ab und der eingewechselte Mittelfeldspieler versenkte das Leder zum 1:3 (72.). Trotz allem Drucks der Gäste hielt die Trares-Elf bravourös dagegen. Nach einem Gegenstoß schoss Lotrič knapp drüber (78.).

Wood macht es nochmals spannend

Mit frischen Kräften – Dominic Baumann und David Kopacz kamen für Lotrič und Munsy (79.) sowie Rajiv van La Parra für Pieringer (86.) und Lars Dietz für Sontheimer (90.+1) – ging es in die Schlussphase. Eine wirkliche Chance hatten die Gäste aber lange nicht – bis Bobby Wood auf den Plan trat. Nach Heyers Flanke legte Josha Vagnomen quer und der Angreifer verkürzte auf 2:3 (89.). Zu mehr reichte es für den Spitzenreiter aber nicht mehr. Stattdessen sah Amadou Onana sogar noch die Ampelkarte nach einem Foul an Baumann. Den fälligen Freistoß setzte Kopacz aus 18 Metern rechts neben den Pfosten (90.+1).

Für die Kickers geht es am kommenden Samstag, 27. Februar 2021, um 13:00 Uhr im Vonovia Ruhrstadion beim VfL Bochum weiter. Dem Hamburger SV ist zwei Tage später am Montagabend um 20:30 Uhr im Stadtderby beim FC St. Pauli gefordert.

Stimmen zum Spiel

Bernhard Trares (Cheftrainer FC Würzburger Kickers): Wir waren schon in den vergangenen Wochen drauf und dran, ein Spitzenteam zu schlagen. Wir standen defensiv sehr diszipliniert und haben vorne mit Schüssen aus der Distanz die Tore gemacht. Wir haben sehr gut gearbeitet und es heute zu Ende gebracht. Unter dem Strich ist der Sieg verdient. Die Gegentore ärgern mich, sie waren zu einfach. Damit haben wir es nochmals spannend gemacht, obwohl die Partie sehr klar war. So war es am Ende nochmals knapp. Dennoch sehr großes Lob an die Mannschaft. Wir hatten die vergangenen Wochen schon immer Mut bewiesen und hatten diesen auch heute. Diesen Schwung nehmen wir jetzt mit in die kommenden Spiele. Für die Psyche gibt es natürlich ein sehr gutes Gefühl.

Daniel Thioune (Cheftrainer Hamburger SV): Wir hatten von Beginn an große Probleme ins Spiel zu finden und in die Räume zu kommen. Es war nicht einfach und wir haben uns selbst vor Probleme gestellt. Beim 1:0 verlieren wir im Vorwärtsgang im Dribbling den Ball. Am Ende der Kette fällt der Treffer für die Kickers. Auch nach dem Tor haben wir nicht ins Spiel gefunden. Auch das zweite Tor war nicht gut verteidigt, was aber die Leistung der Kickers nicht schmälern soll. In der zweiten Halbzeit wollten wir ein besseres Bild abgeben, wollten verkürzen. Es war über weite Strecken nicht unser Spiel. Das Aufbäumen kam, aber es kam deutlich zu spät. Es war ein verdienter Sieg für die Kickers und eine bittere Niederlage für uns.

Patrick Sontheimer (Spieler FC Würzburger Kickers): Wir haben alles reingeworfen, was im Tank war, und haben unsere Leistung belohnt. Bei meinem Treffer habe ich nicht nachgedacht und ihn in die Ecke gesetzt. Wir haben uns vorgenommen, nie aufzugeben, egal was passiert und egal wie der Gegner heißt. Wir werden bis zum letzten Spiel alles geben und werden uns am Ende belohnen.

Christian Strohdiek (Spieler FC Würzburger Kickers): Wir haben zu den richtigen Zeitpunkten die Tore erzielt und die sich bietenden Räume genutzt. Heute haben wir uns für den Aufwand belohnt. In den vergangenen Wochen hatten wir nicht immer das Spielglück auf unserer Seite. Wir haben gezeigt, dass wir in die 2. Bundesliga gehören. Jede Partie ist für uns ein Highlight. Den Sieg haben wir uns eindeutig verdient heute. Was möglich ist, haben wir heute gezeigt. Wir müssen uns vor niemandem verstecken. Düsseldorf haben wir besiegt, in Kiel haben wir bis zu der ominösen Elfmeterszene sehr gut mitgehalten. Uns zeichnet aus, dass wir alles in die Waagschale werfen und bedingunslos an den Klassenerhalt glauben.

Aufstellung

Würzburg: Bonmann – Feltscher, Strohdiek, Douglas, Feick – Hägele – Sontheimer, Hašek – Lotrič (79. Kopacz) – Pieringer (86. van La Parra), Munsy (79. Baumann).

Hamburg: Ulreich – Gyamerah (81. Vagnoman), Jung, Heyer, Leibold – Onana – Kinsombi (81. Wood), Hunt (46. Wintzheimer) – Narey (46. Dudziak), Kittel (69. Heil) – Terodde.

Tore: 1:0 Hašek (19.), 2:0 Douglas (29.), 3:0 Sontheimer (54.), 3:1 Dudziak (71.), 3:2 Wood (89.).

Gelb-Rote Karte: Onana (90.+1)